Bis heute morgen konnte ich mich nicht so richtig entscheiden, wohin ich wollte, aber da beides ziemlich weit entfernt ist, bin ich einfach um sechs Uhr morgen aufgestanden und wollte dann entscheiden, wohin ich fahre.
Und dann stand ich da, halb sieben, vor der Tür und kam nicht nach draußen. Die Tür von dem Hotel nach draußen ist normalerweise nur geschlossen (sodass man von innen hinaus kann, aber von außen erst klingeln muss, damit man hereingelassen wird), aber offenbar wird sie über Nacht abgeschlossen, sodass man auch nicht mehr von innen nach draußen kann. Sie war jedenfalls abgesperrt und ich kam nicht raus und an der Rezeption war auch noch niemand.
Ärgerlich.
Also habe ich mich an die Rezeption gesetzt und mir einen der Kolumbien-Reiseführer gegriffen, die dort in etwa vierzig Sprachen herumstehen, und nochmal nachgelesen. Und plötzlich fiel mir die Entscheidung sehr leicht: an den See kommt man nämlich, indem man von 3000 Metern Höhe auf etwa 2800 herunter klettert. Und die muss man danach wieder hinauf! (das letzte Mal, als ich das für eine gute Idee hielt, brauchte es eine Minute und 100% Sauerstoff, bis ich wieder einsatzfähig war).
Also in die Kolonialstadt.
Ich habe es zum Busbahnhof geschafft (der hier ungefähr so groß und komplex ist wie ein mittlerer Flughafen) und wollte so fahren, wie es mir das Tourismusbüro gestern empfohlen hat: erst nach Tunja und von dort aus nach Villa de Leyva (beide Busse fahren nämlich viel häufiger als der direkt nach Villa de Leyva). Das scheiterte daran, dass niemand mir ein Ticket nach Tunja geben wollte. Na gut, musste ich wenigstens nicht umsteigen.
Und dann ging es los. Zuerst eine Weile durch Bogota und noch mehr Bogota (acht Millionen EinwohnerInnen und wegen der Berge links und rechts praktisch ein langer Schlauch, den man durchqueren muss), am zentralen Nordbahnhof noch mehr PassagierInnen einsammeln (ich habe einen neuen Beruf entdeckt: professionelle Herumschubser, die die ganzen hilflosen Fahrgäste, die auf dem Bahnsteig herumirren und ihren Bus suchen (an dem nie das Ziel dran steht), in Richtung des richtigen Busses lotsen) und dann waren wir endlich draußen, in den wunderschönen grünen Bergen.
Drei Stunden lang habe ich aus dem Fenster gesehen und es wurde nicht langweilig: kleine Felder, Kühe und Pferde, die neben der Straße grasen, Menschen mit graubraunen Wollponchos, knallbunt gestrichene Häuser, Schuppen, die aussehen wie bei Petterson und Findus, riesige Blumenhecken und Wolken, die zwischen den Bergen nach unten rutschen und aussehen wie Schafwolle, die gekämmt wird.
Dort bin ich dann für eine Weile (das Dorf ist nicht besonders groß) durch die Gegend gestrichen und bin an allen Kirchen und Museen, die im Reiseführer standen, vorbei gegangen (und nicht ein einziges Haus war offen!) und habe den Schulkindern zugesehen.
Im Reiseführer habe ich auch noch eine Geschichte über die Stadt gefunden: während der Revolution, als die Revolutionsarmee in der Gegend am Verlieren war und vom Feind verfolgt wurde, blieb ein Offizier der Revolutionsarmee zurück, verbarrikadierte sich, bis alle anderen sich in Sicherheit gebracht hatten, mit vier Pulverfässern und sprengte sich dann mit all dem Pulver in die Luft und sicherte so den Rückzug der Revolutionäre, die dann schließlich auch gewannen.
Seine Büste ist irgendwo in diesem Dorf aufgestellt, also habe ich sie gesucht. Gefunden habe ich immer mehr und mehr Büsten (ich wusste leider seinen Namen nicht mehr); irgendeiner davon wird es wohl sein.
Und ich habe mir mal wieder ein typisch kolumbianisches Essen gesucht: Milchsuppe mit Brot und Käse (nicht dazu, sondern in der Suppe). Gewöhnungsbedürftig, aber gut.
Da der letzte Bus des Tages um vier fährt, war es dann auch wieder Zeit, aufzubrechen. Ich saß diesmal auf der anderen Seite des Busses und war vollauf glücklich damit, mir die Gegend anzusehen (für das Dorf alleine hätten sich acht Stunden Busfahrt an einem Tag nicht gelohnt, aber da ich sowieso hauptsächlich durch die Berge fahren wollte, war es herrlich).
Und ich hatte Glück; ich habe sogar den Sonnenuntergang in den Bergen gesehen (er war so schön, aber durch eine staubige Busfensterscheibe sieht alles irgendwie gräulich aus).